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Arbeitsrecht Frankreich: Kündigung, Ablauf und Kosten.

Eine Kündigung in Frankreich folgt anderen Regeln als in Deutschland: feste Verfahrensschritte, eine gesetzliche Abfindung und ein Arbeitsgericht, das Formfehler streng ahndet. Hier finden deutsche Arbeitgeber und Muttergesellschaften den Ablauf, die Fristen und die Kosten im Überblick.

Die Kündigung in Frankreich regelt das französische Arbeitsgesetzbuch (Code du travail), ergänzt durch den Tarifvertrag der Branche.

Kündigung in Frankreich: die 5 Schritte einer personenbedingten Kündigung

Kurz gesagt: Jede Kündigung braucht einen echten und ernsthaften Grund, ein Vorgespräch und ein begründetes Schreiben. Ab 8 Monaten Betriebszugehörigkeit ist eine Abfindung Pflicht. Die einvernehmliche Lösung (rupture conventionnelle) ist oft der schnellste Weg.

Die drei Wege, einen Arbeitsvertrag zu beenden

  • Personenbedingte Kündigung (licenciement pour motif personnel): wegen Fehlverhaltens oder unzureichender Leistung. Der Grund muss echt und ernsthaft sein (cause réelle et sérieuse) und belegt werden.
  • Betriebsbedingte Kündigung (licenciement économique): wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten, Umstrukturierung oder Wegfall der Stelle. Hier gelten zusätzliche Pflichten: Anhörung des CSE, Versetzungsangebote, Sozialplan ab einer bestimmten Zahl.
  • Einvernehmliche Beendigung (rupture conventionnelle): beide Seiten einigen sich, mit staatlicher Genehmigung. Weniger Prozessrisiko, aber der Arbeitnehmer muss zustimmen.

Kündigung in Frankreich: der Ablauf einer personenbedingten Kündigung

  • Einladung zum Vorgespräch (entretien préalable) per Einschreiben oder gegen Empfangsbestätigung, mindestens 5 Werktage vor dem Termin
  • Vorgespräch: der Arbeitgeber nennt die Gründe, der Arbeitnehmer kann sich begleiten lassen
  • Kündigungsschreiben per Einschreiben, frühestens 2 Werktage nach dem Gespräch, mit allen Gründen (bei Fehlverhalten spätestens einen Monat nach dem Gespräch)
  • Kündigungsfrist (préavis): gesetzlich 1 Monat bei 6 Monaten bis 2 Jahren Betriebszugehörigkeit, 2 Monate ab 2 Jahren, für Führungskräfte laut Tarifvertrag oft 3 Monate
  • Am Ende: Arbeitszeugnis, Bescheinigung für die Arbeitsagentur und Abrechnung (solde de tout compte)

Was eine Kündigung in Frankreich kostet

Die gesetzliche Abfindung beträgt mindestens ein Viertel Monatsgehalt pro Jahr Betriebszugehörigkeit bis 10 Jahre und ein Drittel ab dem 11. Jahr. Beispiel: Ein Mitarbeiter mit 8 Jahren Betriebszugehörigkeit und 4.000 Euro Bruttogehalt erhält mindestens 8.000 Euro. Viele Tarifverträge sehen mehr vor. Hinzu kommen die Kündigungsfrist (gearbeitet oder bezahlt) und der Resturlaub.

Anders als in Deutschland ist die Abfindung in Frankreich gesetzlich vorgeschrieben, auch wenn die Kündigung berechtigt ist. Ist sie ungerechtfertigt, kommt Schadensersatz hinzu, der nach einer gesetzlichen Tabelle je nach Betriebszugehörigkeit bis zu 20 Monatsgehälter erreichen kann.

Betriebsbedingte Kündigungen und Sozialplan

Ab 10 betriebsbedingten Kündigungen innerhalb von 30 Tagen in einem Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten ist ein Sozialplan (PSE, plan de sauvegarde de l'emploi) Pflicht. Der CSE wird angehört, die Arbeitsverwaltung (DREETS) muss den Plan genehmigen. Die Anhörung dauert je nach Zahl der Kündigungen zwei bis vier Monate. Für eine deutsche Zentrale heißt das: Kein Projekt ankündigen, bevor der CSE angehört wurde.

Die häufigsten Fehler ausländischer Arbeitgeber

  • eine Entscheidung in der Zentrale ankündigen, bevor das französische Verfahren begonnen hat
  • ein Kündigungsschreiben ohne vollständige Begründung (es begrenzt später den Streit vor Gericht)
  • Fristen zwischen Einladung, Gespräch und Schreiben nicht einhalten
  • den besonderen Schutz von CSE-Mitgliedern übersehen (Genehmigung der Arbeitsinspektion nötig)
  • den Tarifvertrag der Branche nicht prüfen, der oft höhere Abfindungen und längere Fristen vorsieht

Die Rolle eines Interim Managers

Steht eine Umstrukturierung an oder fehlt der Geschäftsführer der französischen Tochter, übernimmt ein französischer Interim Manager vor Ort: Er bereitet die Verfahren mit dem Anwalt vor, führt die Gespräche, hält die Fristen ein und führt den CSE durch die Anhörung. MT-Transition stellt innerhalb von 72 Stunden drei passende Profile vor.

Diese Seite dient der allgemeinen Information und ist keine Rechtsberatung. Für Ihren konkreten Fall ziehen Sie einen französischen Arbeitsrechtsanwalt hinzu.

Häufige Fragen

Muss man in Frankreich bei einer Kündigung eine Abfindung zahlen?

Ja, ab 8 Monaten Betriebszugehörigkeit ist eine gesetzliche Abfindung Pflicht, außer bei schwerem Fehlverhalten (faute grave). Sie beträgt mindestens ein Viertel Monatsgehalt pro Jahr für die ersten 10 Jahre und ein Drittel ab dem 11. Jahr. Tarifverträge sehen oft mehr vor.

Wie lange dauert eine Kündigung in Frankreich?

Bei einer personenbedingten Kündigung vergehen zwischen Einladung und Kündigungsschreiben mindestens rund 10 Tage, danach läuft die Kündigungsfrist (meist 1 bis 3 Monate). Eine betriebsbedingte Massenentlassung mit Sozialplan dauert mehrere Monate.

Was ist eine rupture conventionnelle?

Eine einvernehmliche Beendigung des unbefristeten Arbeitsvertrags. Beide Seiten unterschreiben, es folgt eine Widerrufsfrist von 15 Kalendertagen und eine Genehmigung durch die Arbeitsverwaltung. Die Abfindung liegt mindestens auf Höhe der gesetzlichen Abfindung.

Was riskiert ein Arbeitgeber bei einer ungerechtfertigten Kündigung?

Das Arbeitsgericht (conseil de prud'hommes) spricht Schadensersatz nach einer gesetzlichen Tabelle zu, je nach Betriebszugehörigkeit bis zu 20 Monatsgehälter. Der Arbeitnehmer hat 12 Monate Zeit, um zu klagen.

Kann ein CSE-Mitglied gekündigt werden?

Nur mit Genehmigung der Arbeitsinspektion (inspection du travail). Ohne diese Genehmigung ist die Kündigung nichtig.

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